Corticosteroide


Die Nebennierenrinde ist eine lebensnotwendige Drüse, die verschiedene Hormone produziert, die in zwei Gruppen eingeteilt werden, Gluco- und Mineralocorticoide.
Glucocorticoide beeinflussen den Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel, Mineralocorticoide den Mineralstoffwechsel. Alle Nebennierenhormone sind Stresshormone, die den Körper befähigen, auf innere und äußere Beanspruchungen optimal zu reagieren. Meist spricht man nur von Cortison, eines aber nicht das wichtigste der Corticoide. Zu den Corticoiden zählt man auch chemisch veränderte Substanzen. Cortisol (= Hydrocortison) ist das wichtigste der natürlichen Glucocorticoide. Seine Produktion und Freisetzung wird durch fein abgestimmte Regelkreise vom Zwischenhirn und der Hirnanhangsdrüse kontrolliert. Die Ausschüttung zeigt eine ausgeprägte Biorhythmik. Die höchsten Blutspiegel werden am frühen Vormittag erreicht, die niedrigsten zwischen Mitternacht und 4 Uhr nachts. Eine gesunde Nebenniere produziert pro Tag 15 – 60 mg Cortisol und 1-2 mg Corticosteron, ein Mineralocorticoid. In Stresssituationen können bis zu 240 mg Cortisol ausgeschüttet werden. Für therapeutische Anwendungen sind die Glucocorticoide am wichtigsten.
Im Einzelnen fördern die Glucocorticoide in physiologischen Konzentrationen den Abbau von Eiweiß und die Umwandlung in Kohlenhydrate. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel erhöht. Ferner hält Cortisol Natrium im Körper zurück und verstärkt die Ausscheidung von Kalium und Calcium. Bei anhaltendem Stress und bei therapeutischer Gabe höherer Dosen gibt es weitere Effekte: Blockade von entzündlichen Vorgängen unabhängig von der Ursache, Unterdrückung der Bildung von Bindegewebe, eine immunsuppressive Wirkung, Verbesserung des Kreislaufes im Schock und v.a..
90% des Cortisols sind im Blut an ein spezifisches Eiweiß, Transcortin ein Globulin, gebunden. Freies Cortisol wird schnell in der Leber abgebaut. In 1,7 Stunden fallen die Blutspiegel um 50% ab. Diese Halbwertzeit ist zu kurz, um über den ganzen Tag wirksame Blutspiegel aufrecht zu erhalten. Einige chemisch abgewandelte Abkömmlinge wie z.B. Prednison/olon, Dexamethason oder Triamcinolon haben eine längere Halbwertzeit. Im Laufe der Zeit wurden viele chemisch abgewandelte Verbindungen hergestellt, die im Tierexperiment wirksamer waren. Man hoffte durch diese Veränderungen die Wirksamkeit auch beim Patienten weiter zu erhöhen ohne die Nebenwirkungen zu steigern. Die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die Nebenwirkungen stiegen im gleichen Maß und haben die Corticoide vor Jahren in Verruf gebracht. Viele der damals auf dem Markt befindlichen durch Anlagerung von Chlor oder Fluor verstärkten Corticosteroide sind zurückgerufen worden.