Gelbsucht

Wenn ein Arzt einen Patienten das erste Mal sieht und ihn nach seiner Krankheitsgeschichte fragt, ist eine der unklarsten Antworten: "Ich hatte mal die Gelbsucht". Mit dieser Antwort kann der Arzt zunächst nichts anfangen, denn Gelbsein allein ist keine Krankheit.
Ein Symptom, keine Krankheit
Der Arzt muss dann weiterfragen, denn ein Patient kann bei ganz verschiedenen Krankheiten gelb werden. Patienten werden gelb, wenn der Gallenfarbstoff, das Bilirubin, im Blut ansteigt. Bilirubin ist zu über 75% ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, der Rest stammt aus anderen Quellen - meist dem Myoglobin, dem roten Farbstoff der Muskeln. Es entsteht, wenn die roten Blutkörperchen in der Milz nach ca. 100- 120 Tagen abgebaut werden. Es ist ein unlösliches Produkt, das in eine wasserlösliche Form umgewandelt werden muss. Die Tagesproduktion des Körpers liegt bei ca. 250- 350 mg. Es wird an Albumin, bestimmten Eiweißkörpern im Blut, gebunden in die Leber transportiert.
Dort wird es mit einer organischen Säure (Glukuronsäure) gekoppelt. Dieses konjugierte Bilirubin wird als direktes Bilirubin bezeichnet. Es wird mit der Galle in den Darm ausgeschieden und von den Darmbakterien weiter abgebaut. Die Abbauprodukte färben den Stuhl braun. Ein Teil des Bilirubins wird im Darm wieder resorbiert und wieder ausgeschieden. Man nennt das einen enterohepatischen Kreislauf. Das im Blut zirkulierende nicht konjugierte Bilirubin wird als indirektes Bilirubin bezeichnet. Häufig wird auf die Unterscheidung von direktem und indirektem Bilirubin verzichtet und bei den Laborbefunden als Gesamtbilirubin angegeben, besonders wenn der Wert nicht erhöht ist. Bei der Differentialdiagnose bestimmter Erkrankungen aber ist die gesonderte Bestimmung unerlässlich.
Die normale Obergrenze für das Bilirubin im Blut liegt bei 1,1 mg %. Steigt dieser Wert auf 2- 2,5 mg % kann man eine gelbliche Verfärbung zuerst im Weiß des Auges, später auch an der übrigen Haut eines weißen Patienten sehen. Die sichtbare Gelbfärbung der Haut heißt Ikterus. Das Bilirubin kann bei verschiedenen Krankheiten erhöht sein. Am häufigsten ist es zwar ein Zeichen einer Leber- oder Gallen(wegs)erkrankung, aber es kann auch bei bestimmten Bluterkrankungen erhöht oder nur eine genetisch bedingte Normabweichung ohne großen Krankheitswert sein. (M.Meulengracht)