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Hepatitis B

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Therapie - Teil 2

Während der Interferon-Therapie sollten in den ersten drei Monaten Kontrolluntersuchungen mit Anamnese, körperlichem Befund, Bestimmung von Blutbild und GPT ca. alle drei Wochen erfolgen. Die Marker der Virusvermehrung sind alle drei Monate zu bestimmen. Unter Zugrundelegung der derzeitigen Auswahlkriterien der Patienten, der Interferon- Dosis und der Therapiedauer lässt sich eine dauerhafte Remission der Erkrankung bei 30-40% der Patienten erreichen. Eine definitive Ausheilung der chronischen Hepatitis B kann durch die Interferon- Therapie leider nur bei ca. 5-10% der Patienten erreicht werden. Bei Patienten mit Nachweis einer Virus- Mutante (genetisch verändertes Virus) sind die Erfolgsaussichten einer Interferon- alfa- Therapie sogar noch geringer.

Nebenwirkungen einer Interferon Therapie lassen sich einteilen in frühe und späte Nebenwirkungen. Frühe Nebenwirkungen sind häufig, werden von den betroffenen Patienten intensiv empfunden, sind aber in der Regel medizinisch nicht so schwerwiegend. Späte Nebenwirkungen treten wesentlich seltener auf, werden von den Patienten gelegentlich weniger gravierend empfunden, sind aber medizinisch oft von großer Relevanz. Frühe Nebenwirkungen äußern sich in Form von Schüttelfrost, Fieber wenige Stunden nach der Interferon- Injektion, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Diese Beschwerden können am besten mit einem ausgeprägten Grippegefühl verglichen werden. Späte Nebenwirkungen können in der Verminderung von Blutplättchen und weißen Blutkörperchen, einer Infektneigung, depressiver Verstimmung, Haarausfall und der Entwicklung sog. Autoimmunerkrankungen, insbesondere einer Schilddrüsenentzündung, bestehen.

Ein anderes, inzwischen ebenfalls etabliertes Therapiekonzept stellt die Behandlung der chronischen B- Hepatitis mit sog. Nukleosidanaloga dar. Diese Medikamente hemmen lediglich die Virusvermehrung und führen so zu einer Verbesserung der Leberentzündung. Lamivudin ist bereits seit einigen Jahren zur Therapie der chronischen Hepatitis B zugelassen. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass bei vielen Patienten eine deutliche Absenkung der Virusvermehrung um bis zu 98% erzielt werden kann, was bei 40-72% der Patienten zur Normalisierung der Leberwerte führte. Lamivudin kann auch bei Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung eingesetzt werden. Die Nebenwirkungsrate einer Lamivudin- Behandlung ist ausgesprochen gering. Dennoch hat eine Behandlung mit Lamivudin auch Risiken. Diese bestehen z. B. in der Entwicklung von Virusmutationen, die zu einer Wirkungslosigkeit der Medikamente führen können (Resistenz). Eine feste Behandlungsdauer einer Nukleosidtherapie einer chronischen B Hepatitis ist derzeit noch nicht endgültig zu definieren. Die Entwicklung weiterer Substanzen mit HBV- Wirksamkeit ist gegenwärtig Gegenstand intensiver präklinischer und klinischer Forschung. Aussichtsreiche Kandidaten sind z. B. Adefovir Dipivoxil und Entecavir.

Nach einer orthotopen Lebertransplantation bei einem Patienten mit einer chronischen HBV- Infektion besteht das Risiko, dass das neue Organ wieder mit HBV infiziert wird. Dies liegt daran, dass sich HBV nicht nur in der Leber, sondern auch in anderen Geweben vermehrt. Deshalb ist mit der Entnahme der kranken Leber nicht die Hepatitis B- Virus- Infektion geheilt, sie kann vielmehr auf die neue, gesunde Leber übergehen. Eine derartige Reinfektion kann schwerwiegend verlaufen und bis zum Ausfall des Transplantats führen. Durch die kombinierte Gabe von HBV- Hyperimmunserum (sozusagen eine fortlaufende passive Impfung) und Lamivudin kann die Reinfektion in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle verhindert werden. Durch diesen Fortschritt ist die Durchführung einer Lebertransplantation heutzutage auch für Patienten mit HBV- positiver Leberzirrhose ohne zu große Risiken möglich.

Priv. Doz. Dr. med. Hartwig Klinker
Medizinische Poliklinik der Universität Würzburg
Schwerpunkt Hepatologie/Infektiologie

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