Mein Vater schenkte mir ein neues Leben


Mein Name ist Nicole. Ich war 32 Jahre alt, meine Tochter hatte gerade ihren 3. Geburtstag gefeiert - und ich einen Tumor auf der Leber. Mein Vater schenkte mir einen Teil seiner Leber...
Am 31.Januar 2004 bekam ich von meinem Vater ein Teil seiner Leber. Es war damals eine sehr schwere Zeit und es gab für mich auch keine Chance ein Fremdorgan zu erhalten. Ich hatte damals Tumore auf der Leber.
Tumore!! - und mir lief die Zeit davon. Die Angst war sehr groß, dass ich es zeitlich nicht schaffen konnte, immer die Angst vor den Metastasen.
Zu dem war ich damals Mutter einer 3-Jährigen Tochter, die Ihre „ Mama“ auch brauchte. Wir hatten also nicht viel Zeit zu überlegen, denn es war damals die einzig mögliche Rettung für mich.
Als die Ärzte uns dann darüber informierten, dass man ein Teil seiner Leber spenden könne, stand für mein Vater schon am ersten Tag fest, dass er es machen wollte. Ich bin ihm bis heute sehr dankbar, denn er hat mir ermöglicht, dass ich diese wunderschönen Jahre erleben durfte und hoffentlich noch viele weitere.
Ich sehe meine Tochter zu einer jungen Dame heranwachsen und freue mich jeden Tag, den ich mit meiner Familie erleben darf. Auch wenn manchmal nicht alles so reibungslos verläuft, ist mein Leitspruch: “ Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden“.
Trotz dieses großen Glücks, das ich nur durch den Mut und Entschlossenheit meines Vaters bekommen habe, darf man auch die negativen Erfahrungen, die eine Lebendspende mit sich bringt, nicht vergessen und man sollte es sich gut überlegen, denn es kommen nicht nur körperliche Strapazen auf Empfänger und Spender zu, sondern man muss auch psychisch sehr stabil sein. Ich hatte vor der Transplantation und auch danach sehr große Angst um meinen Vater. Wird bei ihm alles gut verlaufen? Als ich nach der OP das erste Mal die Augen aufmachte, war mein erster Gedanke, wie es meinem Vater geht. Ich darf es mir gar nicht vorstellen, was gewesen wäre, wenn z.B. bei der Entnahme des Leberteils bei meinem Vater etwas Schwerwiegendes passiert wäre.
Denn nicht nur ein Vater liebt seine Tochter, eine Tochter liebt auch ihren Vater. Heute kann ich sagen, dass die Liebe zu meinem Vater noch stärker geworden ist, nicht nur aus Dankbarkeit sondern weil ich mich intensiver mit seinem Gefühls- und Gesundheitszustand beschäftige.
Als er z.B. wegen Herzproblemen (die sich aber als harmlos herausstellten!!) ins Krankenhaus kam, war es für mich eine Katastrophe und es ging mir sehr nahe.
Ich weiß nicht, ob das jemand, der nicht in meiner Lage ist, verstehen kann. Genauso merke auch ich, dass es meinen Vater ebenso sehr bewegt, wenn ich gesundheitliche Probleme habe.
Meine Meinung über die Lebendspende ist, dass es eine wunderbare, im wahrsten Sinne „Wunder“-bare Sache sein kann. Man sollte es aber nur aus tiefsten Herzen und voller Überzeugung machen und nicht nur weil man „eben“ jemandem helfen will, denn dieser Eingriff kann nicht nur wie bei mir und meinem Vater rundum glücklich verlaufen, sondern es kann auch schwerwiegende, katastrophale Folgen haben. Jeder, der diesen Eingriff in Betracht zieht, sollte gedanklich diese negativen Folgen akzeptieren, dann erst ist man bereit für die Lebendspende und ich wünsche jedem Paar, das den Schritt wagt, alles Glück der Welt!
Nicole Köhler